Praktischer Leitfaden

In Bayern und Österreich gibt es mit Blick auf den Naturraum „Wald“ erste Versuche, diesen gesundheitstouristisch zu nutzen, d.h. konkrete waldbezogene Angebote zu entwickeln. Dieses enorme Potential, sowohl für die Anbieter- als auch für die Nachfrageseite, gilt es interdisziplinär, wissenschaftlich zu untersuchen, um gemeinsame Lösungen für eine nachhaltige Nutzung zu entwickeln.

Der vorliegende Leitfaden versucht dazu praktisch aufzugreifen und darzustellen, wie nun konkrete gesundheitstouristische Angebote im Wald umgesetzt werden können, worauf es hierbei besonders zu achten gilt und wie individuelle Erkenntnisse aus Befragungen und Pilotregionen hiermit einhergehen.

Ansicht des Leitfadens

Die Besonderheiten des Waldes und der damit verbundenen Waldatmosphäre (Luft, Temperatur, Geruch, Haptik etc.) können positive psychologische wie auch physiologische Wirkungen auf den Menschen haben. So können bspw. regelmäßige Waldbesuche folgende Benefits haben: Bewegung und Aktivität in der Natur, soziale Interaktion, weniger Lärm- und Luftverschmutzung, Stressreduktion und eine Stimulation der Immunantwort. Diese Benefits verstärken sich gegenseitig und können einen Waldbesuch letztlich zu einer vielseitig gesundheitsfördernden Aktivität machen. Mit diesen Eigenschaften trifft der Wald auf eine Gegenwart, in der Gesundheit einen so hohen Stellenwert hat wie nie zuvor. Der Aufenthalt im Wald wird zunehmend zum eigentlichen Zweck, Gesundheit zu einem treibenden Motiv – der Wald erfährt einen Bedeutungswandel von einer Kulisse hin zu einem „Gesundheitsraum“. Dies rückt die gesundheitsfördernde Nutzung lokaler Waldräume und die Entwicklung gezielter, gesundheitstouristischer Produkte bzw. Angebote in den Fokus.

Einer gesundheitstouristischen Waldnutzung liegen dabei im Wesentlichen vier Ansätze zugrunde: Pädagogik und Bildung (1), Gesundheitsförderung und Prävention (2), Therapie und Rehabilitation (3) sowie naturnaher Tourismus, Freizeit und Sport (4). Basis der Produktentwicklung im Kontext von „Wald und Gesundheit“ sind dabei jeweils Kombinationen aus Aktivität und Bewegung im Wald sowie gezielten Anwendungen, passenden Ergänzungen oder konkreten Maßnahmen – bspw. pädagogische Waldführungen, angeleitete Waldspaziergänge mit Entspannungs- oder Achtsamkeitsübungen oder therapeutische Waldaufenthalte. Entsprechend der individuellen Rahmenbedingungen und Strukturen in den jeweiligen Destinationen (verfügbare Waldareale, Lage und Landschaft, touristische Ausrichtung der Destination, lokale Stakeholder etc.) können bzw. sollten diese Kombinationen und der gewählte Ansatz dahinter auf entsprechende Zielgruppen ausgelegt und angewendet werden. Für die Entwicklung eines erfolgreichen, gesundheitsfördernden Angebotes ist in erster Linie dessen Marktfähigkeit entscheidend. D.h., kann das Angebot so attraktiv in Wert gesetzt werden, dass es einerseits nachgefragt wird, andererseits entsprechenden Mehrwert und Wertschöpfung sicherstellt. Die medizinische Evidenz (bspw. durch eine gezielte medizinische Studie bzw. Untersuchung des Angebotes) kann diese Marktfähigkeit stützen und ein Alleinstellungsmerkmal begründen, garantiert allein aber nicht den Erfolg des Angebotes.

Ein weiterer Erfolgsfaktor eines gesundheitstouristischen Produktes bzw. Angebotes ist dessen Nachhaltigkeit. Diese gliedert sich in eine soziale (1), eine ökonomische (2) sowie eine ökologische (3) Dimension. Die Entwicklung und Umsetzung eines waldbezogenen und gesundheitsfördernden Angebotes ermöglicht es dabei, alle drei Nachhaltigkeitsdimensionen aufzugreifen: einerseits über die Sicherstellung der Zugänglichkeit sowohl für Anbieter (insbesondere Waldbesitzer*innen, Waldvermittler*innen) als auch für Nachfrager (Waldbesucher*innen im Sinne von Gästen, Touristinnen/Touristen und Einheimischen) (soziale Dimension), andererseits über die Schaffung von langfristig tragfähiger Wertschöpfung (ökonomische Dimension) und schließlich über die Schaffung von Bewusstsein für den Wert der vorhandenen, natürlichen Ressourcen, was wiederum zum besseren Schutz dieser beiträgt und sie für die künftige Nutzung erhält (respektvoller, schonender Umgang mit Wald als Ökosystemdienstleister, Besucherlenkung in der Natur, Mobilitätskonzepte zum Klimaschutz etc.) (ökologische Dimension).


Je nach Ansatz und Nutzung von Wald(räumen) variieren auch die potentiellen Nutzerzahlen.

(Quelle: in Anlehnung an Marušáková, L. & Sallmannshofer, M. (2019): Human Health and Sustainable Forest Management. Bratislava: Forest Europe).

Für die individuelle Entwicklung, Umsetzung und Ausrichtung eines konkreten, lokalen Angebotes sind viele Faktoren zu berücksichtigen.
(Quelle: eigene Darstellung, 2022)

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