Neureichenau

Im unteren Bayerischen Wald, im Dreiländereck Bayern-Böhmen-Mühlviertel (DE-AT-CZ), liegt die Gemeinde und gleichnamige Pilotregion Neureichenau. Am Fuße des bekannten Dreisesselberges gelegen, beheimatet Neureichenau, zugleich staatlich anerkannter Erholungsort, in seinem Gemeindebereich den östlichsten Punkt Bayerns, unweit des Dreiländerecks.

Kontakt:

Gemeinde Neureichenau
Dreisesselstraße 8, 94089 Neureichenau
https://www.neureichenau.de

Blick auf eine der markanten Felsformationen rund um den Dreisessel

Obwohl die offizielle Gemeindefläche – auch im Vergleich zu den übrigen vier Pilotregionen – mit rund 47 km² eher klein ist, wirkt die Region aufgrund der angrenzenden, gemeindefreien Waldgebiete rund um den Pleckensteiner Wald, das Naturschutzgebiet Hochwald oder das Steinerne Meer deutlich größer. Die weitläufigen und abwechslungsreichen Wald- und Naturräume, die vielen landschaftlichen Besonderheiten rund um Dreisessel und Dreiländereck sowie mehrere hundert Kilometer Wander- und Mountainbike-Wege (u.a. Goldsteig, Trans Bayerwald) prägen nicht nur Neureichenau selbst, sondern machen die Region auch zu einer naturnahen Tourismusdestination. Als ausgewiesener Kinderland-Ort und Bayerwald-Expeditionsort ist Neureichenau darüber hinaus besonders bei Familien mit Kindern ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel. Zusätzliche „Berühmtheit“ erlangt Neureichenau durch seine historische Verbindung zum Böhmerwald-Dichter Adalbert Stifter, dem eigens ein Museum („Adalbert Stifter und der Wald“) und auch der „Adalbert-Stifter-LiteraTour-Weg“ gewidmet sind.

Von Neureichenau und weiteren Gemeindeteilen aus führen Wanderwege durch die Wälder der Region sowie auf den Dreisessel, der mit seinen Felsformationen sowie der Weitsicht ein Besuchermagnet ist. Viele (Tages-)Besucher*innen nutzen die Möglichkeit, direkt mit dem Auto auf den Dreisesselberg zu fahren. Gerade während der Coronapandemie und den weitreichenden Einschränkungen und Maßnahmen führte dies teils zu massiven Anstürmen und einer enormen Belastung der Infrastruktur und Natur. Die Mobilität vor Ort ist daher ein wichtiger Aspekt bei der touristischen Weiterentwicklung der Region.

Während der Pleckensteiner Wald unterhalb des Dreisessels Staatswald ist, sind die Wälder rund um Neureichenau vorwiegend in Privatbesitz. Die Wälder werden alle intensiv bewirtschaftet und stehen dabei zahlreichen Herausforderungen wie bspw. dem Borkenkäfer oder den Folgen des Klimawandels (Trockenheit, Sturm etc.) gegenüber. Dabei steht die Notwendigkeit der Nutz- und Schutzfunktion des Waldes den Ansprüchen der Waldbesucher*innen und somit der Erholungsfunktion gegenüber. Dies birgt ein gewisses Konfliktpotential und sollte daher ebenso bei der Produktentwicklung berücksichtigt werden.

Blick auf den Riedelsbacher Stausee in Neureichenau

Die Bedeutung des Waldes und die Verbundenheit mit ihm spielen in dieser waldgeprägten Region eine zentrale Rolle. Mit dem Forstbetrieb Neureichenau der Bayerischen Staatsforsten und seinen vielen Forstfachleuten, Rangerinnen und Rangern, Guides und Waldpädagoginnen und -pädagogen im Dienst des Bayerischen Waldes, mit lokalen Waldvermittler*innen sowie vielen Privatwaldbesitzer*innen: das Wissen um den Wald, seine Bewirtschaftung und Bedeutung, aber auch seine Verwundbarkeit ist(nicht zuletzt am Beispiel Adal bert Stifters) tief verankert. Gerade hier, wo Waldbesucher*innen und Waldbesitzer*innen mit ihren jeweiligen Interessen und Hintergründen aufeinandertreffen, aber auch das Wissen für den Wald und seine Bedeutung derart präsent ist, kann ein waldpädagogisches Angebot Nutzen und Synergien stiften.

Begleitete Wanderungen durch die weitläufigen Waldareale Neureichenaus mit ausgebildeten Waldvermittler*innen, die an verschiedenen Spots den Wald „vermitteln“ (u.a. Aufgaben und Funktionen, Bedeutung von Biodiversität und der Ökosystemleistungen), für einen nachhaltigen und schonenden Umgang und Waldbesuch sensibilisieren, aber auch seine Gesundheitswirkung erklären, können ein attraktives und gesundheitsförderndes Waldangebot darstellen. Kurzfristig kann insbesondere die Bewegung und Aktivität im Wald, verbunden mit Achtsamkeit und Konzentration, für Stressreduktion und Entschleunigung sorgen, aber auch die Sozialisation innerhalb der Gruppe fördern sowie die Stimmung verbessern. Auf längere Sicht wird den Waldbesucher*innen so ein breites Wissen über den Wald vermittelt, wodurch sie nicht nur für den Wald und seinen grundsätzlichen Wert sensibilisiert werden, sondern es ihnen auch ermöglicht wird, erlernte (Gesundheits-)Wirkungen und Erfahrungen nachhaltig in den eigenen Alltag zu integrieren.

Gerade als Kinderland-Ort und Bayerwald-Expeditionsort kann dies für Familien mit Kindern eine in vielerlei Hinsicht mehrwertstiftende Ergänzung des Angebotsportfolios sein. Dabei bieten sich insbesondere die Waldareale direkt um Neureichenau (u.a. entlang des Michelbachs oder des Adalbert-Stifter-Weges) sowie der naturbelassene Stausee Riedelsbach mit seinen (Rund-)Wegen an. Diese Naturräume sind ausgehend vom Ortskern sehr einfach und schnell erreichbar, teils sogar fußläufig. Zugleich kann ein gezieltes Angebot dazu dienen, Besucher besser zu lenken und für eine Entzerrung der Besucherströme um den Dreisessel zu sorgen bzw. diesen räumlich auf die gesamte Region zu verteilen. Synergien ergeben sich zudem zum neuen Tourismuskonzept Neureichenaus und den Plänen, die Wanderwege im Gemeindebereich weiterzuentwickeln, hierbei Areale wie den Stausee Riedelsbach vermehrt in den Fokus zu rücken und letztlich für gezielte Besucherlenkung zu sorgen. Ausgebildete, lokale Waldvermittler*innen mit unterschiedlichen Schwerpunkten stehen in der Region zur Verfügung – und können für weitere Ergänzungen sorgen (bspw. Gesundheitsförderung und Prävention am Stausee Riedelsbach). Zusätzlichen Anknüpfungspunkt bietet die zentrale Lage der Schule in Neureichenau, mit unmittelbarem Zugang zum Wald – spezielle waldpädagogische Angebote für Schulkinder ließen sich entwickeln, aber auch gezielt für Familien und deren Kinder im Urlaub oder bei Tagesausflügen, ebenso wie für Einheimische, nutzbar machen.

Mit dem (gesundheitsfördernden) waldpädagogischen Ansatz „Fit for forest“ lässt sich ein den Voraussetzungen und Hintergründen in Neureichenau angepasstes Angebot umsetzen, das einen geringen Basisaufwand benötigt. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Urlauber*innen und Waldbesucher*innen (vorrangig Familien mit Kindern), aber ebenso an Einheimische. Synergien mit bereits bestehenden Angeboten und Vermarktern (u.a. Bayern Tourismus, Ostbayern Tourismus) lassen sich gezielt nutzen. Durch den Einsatz der lokalen Waldvermittler*innen kann eine zusätzliche Einnahmequelle generiert werden, Wertschöpfung entsteht insbesondere für die lokale Tourismusbranche (Gastronomie, Unterkünfte, Dienstleister) durch zusätzliche Besuche und Aufenthalte in der Region. Die Waldvermittler*innen können zusätzlich einen nachhaltigen „Mehrwert“ leisten, indem sie die Waldbesucher*innen für Wald und den schonenden, respektvollen Umgang sensibilisieren (gerade hinsichtlich der Erfahrungen der Besucheranstürme während der Coronapandemie). Zudem stellen sie wiederum ein äußerst wichtiges Bindeglied zu den weiteren Stakeholdern in Neureichenau wie bspw. der Gemeinde, den Tourismusverbänden und insbesondere weiteren Waldbesitzer*innen und Forstakteuren dar.

Weitere und ausführlichere Informationen finden Sie im Leitfaden. Diesen können Sie sich direkt als PDF herunterladen.

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