Braunau-Simbach

An der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, getrennt bzw. verbunden durch den Inn, liegt die Pilotregion Braunau-Simbach: ein länderübergreifendes Mittelzentrum mit rund 40.000 Einwohnern, das aus den Gemeinden Simbach am Inn auf niederbayerischer und Braunau am Inn auf oberösterreichischer Seite besteht.

Kontakt:

Stadtmarketing Braunau-Simbach GmbH
Theatergasse 3, 5280 Braunau am Inn
https://www.braunau-simbach.info

Blick von oben auf das länderübergreifende Mittelzentrum Braunau-Simbach

Neben einem grenzübergreifenden Stadtmarketing ist auch der Simbacher Tourismusverband „Unterer Inn e.V.“ Mitglied im neu gegründeten Tourismusverband „s ’ Entdeckerviertel“, der sich zusammen mit Braunau aus 20 Orten und Gemeinden im Dreiländereck Bayern, Oberösterreich und Salzburg zusammensetzt – Symbole für das hier gelebte Miteinander über (vermeintliche) Grenzen hinweg. Braunau-Simbach liegt dabei am oberen Ende des „Europareservats Unterer Inn“, einem rund 5.500 Hektar großen Vogel- und Naturschutzgebiet mit unberührten Auwäldern, zahlreichen (Wasser-)Vogelarten sowie seltenen Pflanzen- und Tierarten, das sich zwischen Haiming und Schärding rund 55 km den Inn entlang zieht. Durch dieses Reservat führen auch bekannte Radwege wie der Innradweg, der vom schweizerischen Maloja bis nach Passau führt, oder der Römerradweg, der durch Oberösterreich und den Inn flussabwärts verläuft. In Simbach findet sich der Schellenberg, der mit 549 m die höchste Erhebung Niederbayerns südlich der Donau und damit ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet in der Region ist. Als weitläufiger Waldraum, vorwiegend aus Fichtenforst mit vereinzelten Mischwaldbereichen, ist der Schellenberg von vielen Trails, Wander- und Forstwegen durchzogen, die zum Spazierengehen, Wandern und Mountainbiken genutzt werden. Die Besonderheit des Schellenberges liegt einerseits in zahlreichen Spots, die zu einem Ausflug und Besuch einladen (bspw. Panoramablick über das Inntal, Schellenberghaus, Waldkapelle), andererseits in der eigentlichen Waldstruktur – so ist der Schellenberg in Privatwald, Staatswald, Körperschaftswald und ausgewiesenen Kirchenwald untergliedert.

Zwei Pfade in einem Wald in der nähe von Simbach am Inn
© Technische Hochschule Deggendorf

Trotz der natürlichen Ressourcen und ausgedehnten Wald- und Naturräume ist Braunau-Simbach, auch im Vergleich zu den weiteren Pilotregionen, touristisch weniger stark (aus-)geprägt. Ein Großteil der Übernachtungen in den lokalen Beherbergungsbetrieben resultiert aus Geschäftsreisenden der bedeutenden Industriebetriebe, vorübergehenden Montagearbeitenden in der Region sowie Angehörigen der Patientinnen und Patienten der drei örtlichen Kliniken. Eine touristische und freizeitliche Nutzung bzw. Wertschöpfung findet überwiegend durch Einheimische, Tagesbesucher*innen aus dem näheren Umkreis sowie Fahrradreisende auf der Durchreise statt.

Neben den Radwegen führt ebenso der bekannte Pilgerweg „Via Nova“ durch Braunau-Simbach. Und auch die „Rott- und Inntaler Wallfahrtswege“ führen jährlich mehrere tausend Pilger durch Simbach in Richtung Wallfahrtsort Altötting. Ruhe und Besinnung, Spiritualität und Entschleunigung spielen hierbei eine zentrale Rolle. Auch der Schellenberg ist ein Ort, der diese Motive mit besonderen, spirituellen Orten (u.a. Jesuskreuz mit Ausblick über das Inntal, ehrwürdige Waldkapelle, Kreuzweg entlang des Wanderweges) aufgreift. Insbesondere der Kirchenwald (im Besitz der Diözese Passau) rückt hier in den Fokus als Ort der Ruhe, Besinnung und Entschleunigung.

Denn gerade „Resilienz“ wird für Menschen zunehmend wichtiger: die eigene Widerstandsfähigkeit stärken und lernen, mit Stress, Ausnahmesituationen und Krisen (wie bspw. Corona) umzugehen, gesund und positiv zu bleiben – sowohl körperlich als auch psychisch. Nicht die bloße Vermeidung von Krankheit steht hierbei im Vordergrund, sondern die aktive, nachhaltige Förderung von persönlicher Stärke und Gesundheit. Der Kirchenwald am Schellenberg wird auf Basis einer besonderen Leitlinie, der sog „Schöpfungsorientierten Waldnutzung“ (eine besonders naturnahe Nutzung), gepflegt. Dadurch ist ein artenreicher, naturbelassener Mischwald mit natürlichen Wegen und bewusst liegengelassenem Totholz entstanden. Hier findet man also unberührte Natur, in der man Kraft tanken, eine ruhige Auszeit nehmen und in sich gehen kann. Als gesundheitsförderndes Angebot greift das „Kurzzeit-Pilgern“ ebendiese Motive auf: eine entspannende Wanderung durch den Kirchenwald, begleitet durch ausgebildete Waldvermittler*innen, die an besonderen Stellen im Wald (bspw. Anhöhe, Moos, Ausblick) Meditations-, Achtsamkeits- und Sinnesübungen mit den Waldbesucher*innen durchführen. Die Kombination aus Bewegung im Wald mit bewusster Entschleunigung durch professionell angeleitete Übungen kann stressreduzierend und entspannend sein und sich somit positiv auf Psyche und Emotion auswirken. Gleichzeitig lassen sich das vermittelte (Gesundheits-)Wissen zur Wechselwirkung von Gesundheit und Natur, das Bewusstsein für Entschleunigung und Naturverbundenheit als auch die Sensibilisierung für Aktivitäten im Freien nachhaltig in den Alltag integrieren.

Dieses Angebot passt dabei ideal in die Region und den Schellenberg, da die Diözese Passau, als Besitzerin des Kirchenwaldes, mit der „Schöpfungsorientierten Waldnutzung“ das Waldareal vermehrt für Besuche bzw. gesundheitliche Angebote nutzen möchte. Die Bereitstellung bzw. die Ausbildung von entsprechenden Waldvermittler*innen (auch mit spirituellen bzw. theologischem Hintergrund) soll hiermit einhergehen. Zwar ist das Areal des Kirchenwaldes nicht barrierefrei begehbar und benötigt vereinzelt Anpassungen hinsichtlich der Wegführung (und etwaiger Übungsplätze), trifft zugleich aber den Wunsch und die Vorstellung der Bevölkerung nach einem „Idealwald“: ruhiger, naturbelassener, artenreicher Mischwald, Lebensraum für Tiere, fußläufig (von Simbach aus) erreichbar. Der Aufstieg auf den Schellenberg belohnt zusätzlich mit einem Ausblick über das gesamte Inntal sowie auf die Alpen. Zudem grenzt der Kirchenwald an Staatswald und Privatwälder, was sich wiederum mit weiteren Wald- und Naturaktivitäten bzw. -angeboten vor Ort ergänzen ließe (u.a. historisch-geschichtliche Wanderung über den Schellenberg, passend zur Positionierung des Entdeckerviertels „Ruhe finden, Tradition erobern“, die Besucher*innen der Region dazu einlädt, selbst zu Entdeckern zu werden).

Mit dem Ansatz des „Kurzzeit-Pilgerns“ lässt sich ein bedarfsorientiertes Angebot mit den vorhandenen Naturressourcen umsetzen, das einen geringen Basisaufwand, rechtliche Sicherheit (durch eine vertragliche Regelung mit der Diözese Passau) und eine nahezu ganzjährige Bespielung sichern kann. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Einheimische, kann aber zunehmend auch für Tagesbesucher sowie Gäste umliegender (Urlaubs-)Destinationen beworben werden. Synergien mit regionalen Initiativen wie den „Rottaler Spaziergängen“ oder der „Gesundheitsregion Plus Rottal-Inn“ können für einen Mehrwert sorgen, die lokalen psychosomatischen Kliniken könnten das Angebot zudem als Ergänzung für die stationäre Therapie (bspw. Burn-Out, Depression, Sucht) integrieren.

Durch den Einsatz der Waldvermittler*innen der Diözese selbst oder aus dem Grenzraum kann eine (neue) Einnahmequelle generiert werden, weitere Wertschöpfung entsteht für unmittelbare Stakeholder (bspw. Schellenberghaus als Gastbetrieb am Berg) sowie die lokale Gastronomie und den Tourismus in Braunau-Simbach durch Gäste und Besucher*innen. Die Waldvermittler*innen können wiederum einen zusätzlichen „Mehrwert“ leisten, indem sie die Waldbesucher*innen und Teilnehmer*innen des Angebotes für Wald und seine Bedeutung als Ökosystemleister und den schonenden, respektvollen Umgang damit sensibilisieren. Sie stellen zudem ein äußerst wichtiges Bindeglied zu den weiteren Stakeholdern in Braunau-Simbach wie den beiden Gemeinden, den Tourismusverbänden und insbesondere weiteren Waldbesitzer*innen dar, denn jegliche Angebotsentwicklung wie auch Erweiterung im Wald braucht von Beginn an deren Einbindung sowie deren Gestattung und Honorierung.

Weitere und ausführlichere Informationen finden Sie im Leitfaden. Diesen können Sie sich direkt als PDF herunterladen.

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